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The Jeremy Days | The unlikely return

The Jeremy Days sind zurück!

31 Jahre nachdem die Hamburger Band mit ihrem Debütalbum und ihrer Hitsingle "Brand New Toy" zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands der Wendejahre wurde, werfen die Jungs sich und ihre Songs zum großen Jubiläum wieder in Schale. 31 Jahre klingt vielleicht wie knapp am Jubiläum vorbei, aber für eine Band, die gerade für ihren eigenen Kopf bekannt war und neben den Charts auch das Feuilleton begeisterte, ist es der größere Spaß mit einem Augenzwinkern zu überraschen.
Am 18. Januar 2019 kehren sie, jetzt da fast schon niemand mehr damit gerechnet hatte, über zwei Jahrzehnte nach ihrem letzten offiziellen Konzert, ins Docks nach Hamburg zurück. Keine Viertelstunde von ihrem damaligen Proberaum entfernt, dem legendären Hafenklang Studio, werden sie sich zur Feier ihrer knapp zehnjährigen Karriere durch alle fünf Alben spielen.

»Unvergessen« stufte gerade erst 2017 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die Jeremy Days in einem Portrait über Dirk Darmstaedter, den Sänger der Band, ein. Die »J’Days« (wie sie von ihren Fans gerne genannt wurden) waren Ende der Achtziger mit ihrem englischsprachigen Britpop Marke The Smiths oder Lloyd Cole & the Commotions ziemlich einzigartig in Deutschland. Niemand verband Pop hierzulande so gut mit Tiefgang.
»Eine Gratwanderung zwischen anspruchsvoller Intellektualität und luftig-leichter Unbeschwertheit« befand das Magazin concerts 1992, als die Jeremy Days die Musikmesse Popkomm eröffneten.
Dabei klang ihre Musik nicht nur international, mit Clive Langer und Alan Winstanley hatte die Band tatsächlich das damals heißeste Produzentenduo für anspruchsvollen Gitarrenpop an ihrer Seite. Die Beiden hatten bei einer ganzen Reihe Popalben, u.a. von Madness, Dexy´s Midnight Runners und Elvis Costello, mitgewirkt, die heute zu Klassikern ihres Genres zählen. Diese musikalische Gegenansage in einer Zeit, in der der Synthie-Pop die Welt klar in seinen Fängen hatte, wurde gehört: MTV nahm ihre Videos in die Roatation, in der Bravo fand man sie auf Postern, sie tourten durch ganz Europa, nahmen ein Album in New York auf und lebten auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gar wie einst die Beatles als Band-WG in London.

What about… The Jeremy Days

  • Gegründet wurde die Band 1985 in Hamburg. Von 1988 bis 1995 nahmen sie insgesamt fünf Alben auf.

  • Seit ihrem Karriereende taten sich The Jeremy Days bislang zweimal für kurze Auftritte zusammen, einer davon war das Festival „Rettet den FC St. Pauli“ im August 2003 im Millerntor-Stadion.

  • Man braucht nur die erste Seite ihres Debütalbums noch einmal aufzulegen, um eine der aufregendsten knapp 23 Minuten der Achtziger zu erleben.

  • Sänger Dirk Darmstaedter gründete 2003 eines der erfolgreichsten deutschen Independent-Labels: tapete records. Seit 1996 hat er 14 Alben unter seinem Namen veröffentlicht. Die New York Times nannte ihn 2012 »one of Germany’s underground pop heroes.«

  • Gitarrist Jörn Heilbut übernahm nach dem Ende der »J’Days« das Hamburger Hafenklang Studio und produzierte u.a. Alben von Annett Louisan, Camouflage und Bap.

  • Keyboarder Louis C. Oberlander lebt inzwischen als Schauspieler und Fotograf in Los Angeles und bereist auf seinem Motorrad die westliche Hemisphäre. Nach zwölfjähriger Pause vom Musikmachen arbeitet er zur Zeit an einer Album-Trilogie.

  • Drummer Stefan Rager übernahm die musikalische Leitung für die Komponisten Herbert Grönemeyer, Rufus Wainwright, Lou Reed und CocoRosie bei zahlreichen Theaterinszenierungen von Kult-Regisseur Robert Wilson.

  • Bassist Christoph Kaiser startete 1996 eine zweite Karriere als Filmkomponist. Zuletzt produzierte er die mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Musik zu "Drei Tage in Quiberon". Er ist der Einzige aus der Originalbesetzung, der an dem Geburtstagskonzert nicht teilnimmt. Seinen Part übernimmt Stephan Gade, ein guter Freund aller »J’Days«.

 

DIE WELT | Die Wiedervereinigung | 18.12.2018

Von Stefan Krulle

Die Hamburger Band The Jeremy Days um Sänger Sänger Dirk Darmstaedter gibt 22 Jahre nach ihrer Auflösung ein einmaliges Konzert im Docks

Es waren neun ziemlich wilde, intensive und besondere Jahre, und sie würden, da waren sich die Bandmitglieder der Jeremy Days ziemlich sicher, vielleicht lange in Erinnerung bleiben, aber ganz bestimmt keinen zweiten Frühling erleben. 22 Jahre lang galt ihnen diese Gewissheit als unumstößlich und sahen sie sich praktisch nie, jetzt bleibt davon nur die erste Annahme Wahrheit. Denn am 18. Januar kommenden Jahres werden The Jeremy Days in ihrer Heimatstadt Hamburg wieder auf der Bühne stehen, beinahe in Originalbesetzung.

Was das bedeutet, kann nur derjenige einschätzen, der akribisch Rückschau hält. Denn als Sänger Dirk Darmstaedter zwei Jahre nach der Bandgründung 1987 vom „Brand New Toy“ sang, war die Neue Deutsche Welle gerade im Sande verlaufen. An der Elbe sprach man schon von der „Hamburger Schule“, einem bis heute undefinierten und höchst umstrittenen Begriff. Dirk Darmstaedter schüttelt sich ein bisschen, „wir fühlten uns nicht einmal als Teil irgendeiner Szene. Für mich waren die Jeremy Days immer total insular. Deutsche Musik, das waren damals ‚Ich will Spaß‘, Nena oder die Scorpions, für mich hieß es also: Nichts wie raus hier! Wir mussten nach London, sofort, zwei Jahre später war es endlich so weit.“

Ob der Termin im Januar eine einmalige und letzte Chance sein wird, The Jeremy Days so ganz plötzlich und unerwartet doch noch einmal zu erleben, kann oder will die Band noch nicht sagen. „Dass wir hier jetzt überhaupt zusammensitzen und im Januar spielen“, sagt Darmstaedter, „grenzt für mich fast an ein Wunder. Wir lassen das jetzt auf uns zukommen, mal sehen, ob wir uns weiterhin so gut verstehen wie im Moment gerade. Aber vorsichtshalber müssen wir sagen: Wer die Jeremy Days noch mal live sehen möchte, sollte das jetzt tun.“ Sein Bandmate, der Gitarrist Jörn-Christof Heilbut, nickt, „alles andere wäre reines Pokerspiel.“

Die Idee zur überraschenden Reunion kam übrigens von keinem Bandmitglied, sagt Darmstaedter, „ich bekam eine Mail von Frank Richter, unserem damaligen Tourmanager, der meinte, so 30 Jahre nach unserem ersten Album müsste man eigentlich mal ein paar Konzerte spielen.“ Richter sei in den letzten gut 20 Jahren allerdings nicht der erste gewesen, der versucht hat, diese Band wieder zusammen zu bringen, „es hat bloß nie geklappt. Aber weil Frank ein guter Freund ist, habe ich das mal in die Runde geschickt, und irgendwie ergab es sich, dass das allen gerade ganz gut in den Kram passte, zeitlich wie auch emotional.“ Was genau soll einem emotional in den Kram passen? „Ich kann ja immer nur für mich sprechen, Darmstaedter wagt sich aufs Eis, „aber diese Sache war schon eine hoch emotionale Sache. Wir waren sehr jung, verbrachten zehn Jahre mehr oder weniger jeden Tag miteinander, das war schon eine sehr, sehr ernste Sache.“ Weshalb er auch lange nicht geglaubt habe, diese Gruppe könne je wieder zusammen kommen. „Wir waren so eng beieinander, da schien es undenkbar, mit einer gewissen Leichtigkeit ein zweites Mal zu starten. Mittlerweile haben wir alle auch noch was anderes gemacht und unseren Weg gefunden. Und so ist das Zusammentreffen jetzt unangestrengt.“

Ein Wagnis bleibt es trotzdem, das wissen auch die Musiker selbst. Wie etwa wird das Publikum im Saal aussehen? „Das ergibt sich von selbst, glaube ich“, sagt Heilbut, „es werden die Leute von damals sein, nur eben, genau wie wir, 30 Jahre älter. Ich rechne, ehrlich gesagt, nicht mit so wahnsinnig vielen jungen, neuen Fans. Woher sollten die kommen? Vielleicht bringen die einen oder anderen ihre Kinder mit, so wie wir auch.“ Und ein paar Erinnerungen daran, als welche gelinde Sensation die Musik der Jeremy Days damals von vielen Popfans empfunden wurde. Schlagzeuger Stefan Rager grinst, „auch für uns war das State of the Art, Popmusik ganz vorn, knapp vor Meilenstein.“ Kurzes Durchatmen. „Jetzt wird sich zeigen, wie zeitlos diese Musik tatsächlich ist. Könnte sein, dass einem einige Songs von ihrer Machart her heute komisch vorkommen. Ich sehe das eher auf einer emotionalen Ebene, diese Musik ist wie ein Poesiealbum ihrer Zeit und wird, auch bei uns, einiges wachrütteln.“

irk Darmstaedter findet das Schlusswort: „Noch vor allen Fragen wie: wie ist das Licht, wie ist der Sound, wie viele Tickets sind verkauft und wie sehen wir aus steht für mich das Gefühl: Ich habe einfach Bock, mit den Jungs da noch mal rauszugehen. Das sind meine Brüder. Ich habe viele Freunde und durfte mit vielen guten Leuten Musik machen, aber meine Band, das waren die Jeremy Days.!
Ein Satz, den auch jene Fans unterschrieben, die sich einen Bus gemietet haben und extra aus Frankfurt anreisen werden.

The Jeremy Days live: 18. Januar 2019, Docks