Dirk Darmstaedter

the jeremy days

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The Jeremy Days | The unlikely return

The Jeremy Days sind zurück!

The Jeremy Days sind zurück! Endgültig! Seit Mitte der Neunziger Jahre hatte man nichts von der Hamburger Band gehört, die mit ihrem Debütalbum und ihrer Hitsingle "Brand New Toy" zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands der Wendejahre geworden waren. Und dann standen sie, als fast schon niemand mehr damit gerechnet hatte, Anfang des Jahres plötzlich auf der Bühne des Hamburger Clubs Docks. Ein »Triumphales Comeback nach 24 Jahren« jubelte die Hamburger Morgenpost. Das Hamburg Journal des NDR Fernsehens sprach sogar von einem Tag »für die Geschichtsbücher der Popmusik«. 1500 Fans erlebten einen Abend der ganz großen Emotionen. So umwerfend, dass die Band sich entschloss, es nicht bei dem einen Konzert zu belassen, sondern im November eine Deutschlandtour folgen zu lassen.

»Dieses Comeback-Konzert war einfach so ein unfassbarer Spaß«, erzählt Sänger Dirk Darmstaedter, »dass wir uns schon sehr wunderten, warum wir das all die Jahre nicht gemacht haben?« Der Erfolgsdruck, der die Band nach den frühen Pop-Triumphen zerrieben hatte, sei jetzt nicht mehr da. Es gehe einfach nur noch darum, die wiedergewonnene Freundschaft zu genießen und die knapp zehnjährige Karriere mit Songs aus allen fünf Alben zu zelebrieren.

Doch nicht erst seit ihrer unerwarteten Wiederkehr, ist die Band zurück im popkulturellen Gedächtnis: »Unvergessen« stufte gerade erst 2017 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die Jeremy Days in einem Portrait über Sänger Dirk Darmstaedter ein. Die »J’Days« (Fan-Sprech) waren Ende der Achtziger mit ihrem englischsprachigen Britpop Marke The Smiths oder Lloyd Cole & the Commotions ziemlich einzigartig in Deutschland. Niemand verband Pop hierzulande so gut mit Tiefgang. »Eine Gratwanderung zwischen anspruchsvoller Intellektualität und luftig-leichter Unbeschwertheit« befand das Magazin concerts 1992, als die Jeremy Days die Musikmesse Popkomm eröffneten.

Dabei klang ihre Musik nicht nur international, mit Clive Langer und Alan Winstanley hatte die Band tatsächlich das damals heißeste Produzentenduo für anspruchsvollen Gitarrenpop an ihrer Seite. Die beiden hatten bei einer ganzen Reihe Popalben, u.a. von Madness, Dexy´s Midnight Runners und Elvis Costello, mitgewirkt, die heute zu Klassikern ihres Genres zählen. Diese musikalische Gegenansage in einer Zeit, in der der Synthie-Pop die Welt klar in seinen Fängen hatte, wurde gehört: MTV nahm ihre Videos in die Rotation, in der Bravo fand man sie auf Postern, sie tourten durch ganz Europa, nahmen ein Album in New York auf und lebten auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gar wie einst die Beatles als Band-WG in London.

Tourdaten

22.11.19 München, Ampere
23.11.19 Berlin, Lido
24.11.19 Hamburg, Grünspan
26.11.19 Hannover, Musikzentrum
27.11.19 Bochum, Zeche
29.11.19 Köln, Stollwerck
30.11.19 Frankfurt, Zoom
01.12.19 Stuttgart, Wizemann

What about… The Jeremy Days

- Gegründet wurde die Band 1985 in Hamburg. Von 1988 bis 1995 nahmen sie insgesamt fünf Alben auf.
- Man braucht nur die erste Seite ihres Debütalbums noch einmal aufzulegen, um eine der aufregendsten knapp 23 Minuten der Achtziger zu erleben.
- Sänger Dirk Darmstaedter gründete 2003 eines der erfolgreichsten deutschen Independent-Labels: tapete records. Seit 1996 hat er 14 Alben unter seinem Namen veröffentlicht. Die New York Times nannte ihn 2012 »one of Germany’s underground pop heroes.«
- Gitarrist Jörn Heilbut übernahm nach dem Ende der »J’Days« das Hamburger Hafenklang Studio und produzierte u.a. Alben von Annett Louisan, Camouflage und Bap.
- Keyboarder Louis C. Oberlander lebt inzwischen als Schauspieler und Fotograf in Los Angeles und bereist auf seinem Motorrad die westliche Hemisphäre. Nach zwölfjähriger Pause vom Musikmachen arbeitet er zur Zeit an einer Album-Trilogie.
- Drummer Stefan Rager übernahm die musikalische Leitung für die Komponisten Herbert Grönemeyer, Rufus Wainwright, Lou Reed und CocoRosie bei zahlreichen Theaterinszenierungen von Kult-Regisseur Robert Wilson.
- Bassist Christoph Kaiser startete 1996 eine zweite Karriere als Filmkomponist. Zuletzt produzierte er die mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Musik zu "Drei Tage in Quiberon". Er ist der Einzige aus der Originalbesetzung, der an der Reunion nicht teilnimmt. Seinen Part übernimmt Stephan Gade, ein guter Freund aller »J’Days«.

 

Hamburger Morgenpost | Triumphales Comeback nach 24 Jahren: Die Jeremy Days verzaubern das ausverkaufte Docks

Wenn die Band gerührter ist als die Zuschauer, weiß man, dass etwas Großes passiert. Wie Freitag im ausverkauften Docks. 24 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Auftritt gaben die Jeremy Days ein umjubeltes Konzert - vorerst soll es bei dieser einen Show bleiben.

Mit "It Is The Time" geht es los, einem Song vom zweiten Jeremy Days-Album "Speakeasy" (1992). Sie wollten "eine sinnvolle Setlist aus all den Jahren" spielen, hatte Sänger Dirk Darmstaedter (53) gesagt, "alles Klassiker". Davon gibt es viele: "Starting To Pretend", "Julie Thru The Blinds", "Are You Inventive?". Die Band (für Bassist Christoph M. Kaiser ist Stephan Gade dabei) ist nach ein paar Minuten eingespielt.

Dass große Gefühle im Spiel sind, wird auch schnell klar: "Echt unglaublich, noch einmal mit diesen geilen Typen hier stehen zu dürfen", sagt ein sichtlich aufgewühlter Darmstaedter mit wackliger Stimme. Er habe von "Flixbus-Fahrgemeinschaften" gehört, "sogar aus Oslo, London und Edinburgh sind Leute da mit dem Flieger", sagt er. Die weiteste Anreise hatte aber wohl Keyboarder Louis C. Oberlander: Er lebt seit Jahren in Los Angeles - auch er ist, wie alle, von der ersten Sekunde an euphorisiert, klatscht in die Hände, feuert die Fans an. Immer wieder umarmt sich die Band. Ihre Fans feiern derweil nicht nur Hits wie "Brand New Toy" (mitten im Set) und "Virginia", sondern auch die Erinnerung an ihre Jugend.

Als die Band bei "Sylvia Suddenly" nur mit Akustikgitarre und Xylofon am Bühnenrand spielt, ist der Jubel riesig. Das poppige "Rome Wasn't Built In A Day" wird ebenso gefeiert wie das rockigere "What The Wind's Blowing 'Round". "Das war so ziemlich das geilste Konzert seit 24 Jahren", sagt Darmstaedter, der als Solomusiker in den vergangenen Jahren unzählige Gigs gespielt hat, irgendwann.

Alle sind nass geschwitzt, strahlen. Vier Mal werden die Jeremy Days insgesamt zu Zugaben zurück auf die Bühne geholt. Niemand will, dass dieser Abend endet. Nach zwei Stunden Bad im Gefühlsüberschwang ist dennoch Schluss. Nachschlag, bitte!

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